Bahnbetriebswerk Neustadt (Weinstraße)
Zeittafel: Bauliche Anlagen Bezeichnungen Beheimatungen

11.06.1847   Mit Eröffnung der Pfälzischen Ludwigsbahn Rheinschanze (Ludwigshafen/Rhein) – Neustadt wurde auch ein 80 m langer, zweigleisiger mit
Werkstattgruben ausgerüsteter Lokschuppen mit 23 Rundbogenfenster und an beiden Enden jeweils zwei Rundbogentore, einer westlich
davor liegende ø 16 m Drehscheibe, Kohlenschuppen, Wasserhaus und einem zweistöckigen Verwaltungs- und Werkstattgebäude südlich
der Bahnstation Neustadt an der Schillerstraße in Betrieb genommen.
Nördlich der Bahnsteiganlagen errichtete man zwei Remisen für die Personenwagenunterhaltung mit vorgelagerter Schiebebühne,
die direkt mit dem Bahnhofsgleis verbunden war.
In den ersten Jahren waren in Neustadt auch schnellfahrende Reisezuglokomotiven (Bauart Crampton) beheimatet
18.07.1855   Neustadt entwickelt sich mit der Eröffnung der 18,41 km langen Teilstrecke der Maximiliansbahn nach Landau in der Pfalz,
ab 26.11.1855 bis ins elsässische Weißenburg (Wissembourg) langsam zu einem Eisenbahnknotenpunkt
1860   Erhebung zur Betriebswerkstätte, als kleinste eigenständige Dienststelle, neben Kaiserslautern und Ludwigshafen in der Pfalz
06.03.1865   Mit Eröffnung der Pfälzischen Nordbahn nach Dürkheim und ab 1873 weiter nach Grünstadt und Monsheim, steigt das Verkehrsaufkommen
und somit die zunehmende Zahl zu betreuenden Lokomotiven und Wagen sprunghaft an
1887   Inbetriebnahme einer dem Maschineninspection Ludwigshafen unterstehenden neuen Betriebwerkstätte im Gleisdreieck östlich von Neustadt
zwischen der Ludwigs- und Maximiliansbahn. Sie besteht aus einem neunständigen Rundlokschuppen mit vorgelagerter Drehscheibe, die je-
doch nur sechs Schuppengleise bedienen kann, drei Gleise führen um die Drehscheibe herum, sowie den zugehörigen Behandlungsanlagen
für Dampflokomotiven, dessen Bestand umfasste die pfälzischen Baureihen P 1I, P 2II, G 2, G 3 und G4.
Das bisherige, südlich des Bahnhofs gelegene Gelände dient weiterhin als Werkstätte, nun mit der Bezeichnung „westlicher Lokschuppen“
bzw. „alte Locomotivremise".
     
1894  

Errichtung eines neuen 14-ständigen Rundschuppen direkt an der Winzinger Straße mit vorgelagerter Drehscheibe von ø 23 m. Auch nach
dieser Erweiterung bestand die Besonderheit der Anlage darin, dass zwischen der Drehscheibe und dem Lokschuppen ein relativ großer
Abstand liegt. Die Abgänge von der Drehscheibe zum Lokschuppen hin, werden durch Doppelweichen nochmals in drei Strahlengleise auf-
geteilt, die in den eigentlichen Schuppen hineinführten. Nördlich des Lokschuppen wurde ein mehrstöckiges Verwaltungs- und Sozialgebäude
und jenseits der Winziger Straße die Bekohlungsanlage, sowie ein gemauerter Wasserturm mit zwei Wasserkränen errichtet

31.10.1908   Mit Eröffnung der Schmalspurbahn, auch Pfefferminzbähnel bezeichnet von Speyer über Geinsheim nach Neustadt wurde das Betriebswerk
des östlich des Gleisdreiecks gelegenen Lokalbahnhofs an der Lachener Straße um entsprechende Anlagen, wie einem einständigen Lok-
schuppen erweitert. Dieser Teil zur Unterhaltung der Schmalspurlokomotiven wurde verwaltungstechnisch als Lokbahnhof geführt.
1909   In diesem Jahr ist ein Bestand von 24 Maschinen der Pfalzbahn überliefert, der sich aus folgenden Gattungen zusammensetzt:
P1II, P2II, G2, G3 und G4
01.01.1909  

Firmierung fortan als Bahnbetriebswerk (Bw) Neustadt a./Haardt mit dem Übergang der Pfälzischen Eisenbahnen in das Eigentum der der
Bayerischen Staatseisenbahnen und Unterstellung der Königlichen Bayerischen Eisenbahndirektion Ludwigshafen a./Rhein

1921   Errichtung einer Außenstelle des Neustädter Werkes in Landau (Pfalz), welche im Juni 1922 selbständige Diensstelle werden wird
     
31.10.1925   Triebfahrzeugbestand
 
55   3097, 4205, 5279, 5291, 5429, 5565, 5907, 5915, 5916 und 5919
88   7305, 7307, 7315, 7316 und 7319
91   611, 840, 1384, 1428, 1435, 1436 und 1776
92   203-205
98   651, 652, 654, 657 und 681
99   001-005, 011, 083, 084 und 091-093
     
29.05.1926   Erstmalige Beheimtung einer Lokomotive der Gattung G 81, der 55 5279 (Jung 2908/1919, spätere 56 452) in Neustadt
11.10.1927   Ein neue Baureihe wird an der Weinstraße heimisch – die 92 2003 (Krauss 6835/1914)
27.01.1928   Mit der fabrikneuen 64 043 (Henschel 20905/1928) wird die erste Einheitslokomotive ihrer Art in Neustadt heimisch
1933   In diesem Jahr wird ein Bestand von 51 Lokomotiven genannt, davon alleine zehn für die Schmalspurbahn Neustadt – Speyer gemeldet.
Die normalspurigen Lokomotiven verteilten sich auf die Baureihen 5525, 64, 771, 891, 913-18, 9220, 986 – die Schmalspurigen auf die
Baureihe 99
1935   Firmierung fortan als Bahnbetriebswerk Neustadt (Weinstr.) im Zuge der Umbenennung der Stadt in Neustadt an der Weinstraße
01.04.1936   Mit Auflösung der ab 1922 als Rbd Ludwigshafen (Rhein) bezeichneten Eisenbahndirektion wechselt das Bw Neustadt (Weinstr) zur
Rbd Mainz. Dem Bw Neustadt (Weinstr.) sind die Lokbahnhöfe Elmstein, Grünstadt und Schifferstadt unterstellt
09.11.1938   Die Kirner 91 1267 (Jung 1332/1909) gibt ein kurzes Gastpiel in Neustadt bis sie am 20.12.1938 nach Frankfurt (Main) weiter zieht
01.05.1940   Mit der Darmstädter 78 019 (Vulcan 2875/1914) zieht die erste Lokomotive ihrer Art in das Bw Neustadt (Weinstr) ein
28.11.1943   Die Baureihe 92 verabschiedet sich mit der Umbeheimatung der 92 2003 zum Bw Nürnberg Hbf
     
03.1945   Unfangreiche Schäden im Betriebsteil Gleisdreieck durch alliierte Luftangriffe.
Anschließender Aufbau der Hochbauten erfolgt nur zum Teil und der des Lokschuppens nur noch als dreiständiger Schuppen
Durch z-Stellung der 89 104 (Maffei 1542/1889, ex pfälz. 14) scheidet diese Baureihe aus dem Neustädter Betriebsdienst aus
04.1945   Umbenennung in Bw Neustadt (Haardt) mit Wiedereinsetzung einer Direktion der Pfalzbahnen
1950   In diesem Jahr werden noch 38 Normalspurlokomotiven der Baureihen 5620, 5710-40, 64, 7413, 785, 9110, 913-18, 984 und
fünf Schmalspurlokomotiven geführt
18.12.1950   Rückumbenennung in Bw Neustadt (Weinstr) nach Wiederauflösung der Direktion der Pfalzbahnen 1947
05.1951   Der komplette Bestand der Baureihe 78 kehrt Neustadt in Richtung Ludwigshafen (Rhein) den Rücken
1952   Durtch Ausmusterung der 98 688 (Krauss 6226/1910) scheidet eine weiter Baureihe aus den Bestandslisten aus
19.05.1952   Umwandlung des Lokbf Grünstadt, der einen fünfständigen Ringlokschuppenn besitzt, in eine Außenstelle des Bw Neustadt (Weinstr)
10.10.1952   Als letzte ihrer Art verlässt die am 12.04.1938 nach Neustadt gekommenen 64 217 (Union 2835/1929) in Richtung Landau (Pfalz)
31.12.1956   Mit der Gesamteinstellung des Schmalspurbetriebes nach Speyer wird in der Folgezeit das Gelände des Lokbfahnhofs endwidmet
     
01.09.1958   Ende der Selbständigkeit
Mit Umwandlung des Bw Neustadt (Weinstr) in eine Ast. des Bw Ludwigshafen (Rhein), wechselt auch die Ast Grünstadt dorthin.
Die buchmäßig nach Ludwigshafen umbeheimateten Dampflokomotiven bleiben noch vor Ort im Einsatz, bis sich der Strukturwandel
hin zur Dieseltraktion durchsetzte und anschließend ein allmählicher Rückbau der entbehrlich gewordenen Anlagen im Gleisdreieck
einsetzte. Als letzte Dienststelle nutzt die Fahrleitungsmeisterei den Lokschuppen als Materiallager und zum Unterstellen des Fahr-
leitungstriebwagen
01.10.1958   Die 74 575 (Borsig 6372/1908) verlässt als letzte T 11 die Neustädter Heimat in Richtung Ludwigshafen (Rhein)
ca. 1960   Abbruch der seit längerer Zeit aufgelassenen Wagenremisen samt vorgelagerter Schiebebühne am Neustadt (Weinstr) Hbf
01.10.1963   Schließung der Ast Neustadt (Weinstr) und der Außenstelle (Ast) Grünstadt des Bw Ludwigshafen (Rhein)
     
Ab 1970   Durch Zufall konnte der kurz vor dem Abriß stehende Lokschuppen nebst Werkstattgebäude des alten „Bw Neustadt/Haardt“ von der
Deutschen Bundesbahn durch die Deutsche Gesellschaft für Eisenbahngeschichte e. V. (DGEG) zunächst angemietet werden, deren
ehrenamtlichen Mitarbeiter anschließend umfangreiche Renovierungs- und Instandsetzungsarbeiten auf dem Gelände südlich des Bahn-
hofs durchführen werden.
Mittlerweile stehen der Lokomotivschuppen und das dazugehörige Werkstattgebäude unter Denkmalschutz
1972   Erste Fahrzeuge können bereits in der Lokhalle am Bahnhof untergebracht werden und alsbald füllt sich sich der Schuppen um weitere
Exponate, die Teil der „Fahrzeugsammlung Pfalz“ sein werden
1976   Abriss der hinter dem Schuppen liegenden Lagergebäude, an deren Nutzfläche eine Überdachung mit weiterem Gleis gebaut wird
1981   Feierliche Eröffnung des "Pfalzbahnmuseum der Deutschen Gesellschaft für Eisenbahngeschichte e.V."
     
   
     
     
1984   Erstmaliger Einsatz des Museumszug "Kuckucksbähnel", der sich seither größter Beliebtheit erfreut
vor 2000   Die DGEG erwirbt auch das Gelände am Gleisdreieck und fortan treiben die Mitglieder des DGEG-Arbeitskreises den Wiederaufbau
des Bahnbetriebswerks voran.
Eine besondere Herausforderung war die Beschaffung und der Einbau passender Doppelweichen für den Gleisbereich zwischen der
Drehscheibe und Ringlokschuppen, da sie als Sonderbauart inzwischen einen gewissen Seltenheitswert besaßen. Für die Versorgung
der eigenen Dampflokomotiven konnte ein Wasserkran aus Trier beschafft, aufgebaut und anschließend in Betrieb genommen werden.
2001   Inbetriebnahme einer aus Worms passenden Drehscheibenbühne
2015   Krönender Abschluss des Wiederaufbau des Bahnbetriebswerks Neustadt war die Errichtung zweier Hallen, die mit 13 Ständen an-
nähernd die Größe des Lokschuppens aus dem Jahr 1894 erreichen.
     
    Seit Beginn des Wiederaufbaus der Bw-Anlagen waren diese schon mehrmals die Basis für Veranstaltungen mit Gast(dampf)lokomotiven,
die Besucher aus der ganzen Bundesrepublik und zahlreichen Ländern, auch ausserhalb Europas, anlocken
     
    Statistische Erhebungen jeweils im Rechnungsjahr

Stand Jahr ø Zahl der
Bediensteten
Bemerkungen
  1898 39  
01.04. 1907 52  
01.04. 1939 > 200     
01.04. 1941 160  
30.06. 1942 160 zusätzlich 23 Zwangsarbeiter
     
     
   
Gleisplan 1870 (weblink) Gleisplan 1973 (weblink)
     
     
Nh   bahnamtliches Bezeichnungskürzel 1925
Bw Nh   bahnamtliches Bezeichnungskürzel 1932 / 1939
Nh   bahnamtliches Bezeichnungskürzel 1941



Bahnbetriebswerke Rbd Ludwigshafen (Rhein) BD Mainz   Quellenangaben